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Thema: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

  1. #1
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    Irgendwo im Irgendwie der kretischen Galaxie
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    Standard CHIOS 1961 - ein Tagebuch


    Ich versuchs einfach mal... Wenns Euch interessiert...

    Mein Paul war ja früher in eine griechische Familie eingebunden. Und in Form eines Tagesbuchs hat er in Briefen an seine Eltern ihnen ein Stückchen Griechenland nahegebracht, dass er gerade erlebte.


    So - und hier folgt nun Pauls Tagebuch aus dem Jahr 1961. Paul war 2 Wochen auf Chios. Mit seiner damaligen Frau Ersi und deren Schwester Rhea, seiner Schwiegermutter Maria und mit auf dem Weg war auch sein Schwiegervater. Ich habe keine Probleme damit, dieses hier niederzuschreiben, da ich mit der griechischen Verwandtschaft von Paul heute noch einen guten Kontakt habe und mich immer herzlich willkommen gefühlt habe. Dieses Tagebuch ist in Briefen an Pauls Eltern entstanden.

    Athen, 25.8.1961

    Ihr Lieben

    vor 3 Stunden kamen wir in Piräus an, jetzt haben wir uns gewaschen und verschnauft. 14 Tage sind wir kreuz und quer durch Chios gefahren, gelaufen und geritten. 14 Tage haben wir unter freiem Himmel geschlafen und jetzt fast vergessen, wie ein Haus von innen aussieht. So sind wir leicht verwittert, aber zufrieden wieder hier eingetroffen.

    Wie soll ich Euch alles schildern, was wir unternommen und erlebt haben? Das würde kein Brief, sondern ein Buch. Aber ich willl mutig von vorne anfangen.


    Wie alle griechischen Inseln, so ist auch die Insel Chios durch gewisse, nur ihr eigene Charakteristika gekennzeichnet. Und zwar ist es hier der Mastixbaum, der den Einwohnern seit uralten Zeiten ihr Wohlleben sichert. Da er sonst nirgends vorkommt, hat Chios das Monopol des Mastixhandels. Er wird hauptsächlich zu Süssigkeiten verarbeitet und auch in der Chemie gebraucht. Als ersteres war er bei den Türken sehr beliebt und während der Türkenherrschaft bedachten die Sultane die Insel mit besonderem Wohlwollen. Sie war von allen Abgaben befreit, musste nur jährlich etliche Fässer voll Mastix nach Istanbul schicken, wo er sich im Harem des Sultans grosser Beliebtheit erfreute. Als im Verlauf des griechischen Freiheitskrieges sich auch auf Chios einige Unruhe bemerkbar machte, war der Sultan tief in seiner Mastixseele getroffen, wahrscheinlich, weil ein Ausbleiben der Mastixsendungen Unruhen in seinem Harem zur Folge gehabt hätte. Wie dem auch sei, er schickte ein paar tausend Janitscharen, die die Angelegenheit auf ihre Weise in Ordnung brachten: Chios erstickte in Blut und Feuer - der Anlass zu Delacroix' berühmten Gemälde. Erst 1912 wurde Chios wieder griechisch.


    Am 11.09. fuhren wir also von Piräus ab und kamen am anderen Morgen in Chios an: Vater, Mutter, Rhea, Ersi und ich. Der Vater fuhr weiter nach seiner Heimat Mytilene (Lesbos), die er seit 20 Jahren nicht gesehen hatte.


    Das Schiff war furchtbar voll, so dass Maria zum Kapitän ging, der dann dem "ausländischen Professor" (ich!) samt Begleitung ein schönes Plätzchen auf dem 2.Klasse-Deck gab. Wir fuhren natürlich wie immer 3. Klasse. So verbrachten wir die erste Nacht ruhig in unseren Schlafsäcken. Bei den ersten Sonnenstrahlen fuhren wir die Küste von Chios entlang, auf der anderen Seite, nicht viel weiter, die Küste der Türkei. Um 7.00 Uhr liefen wir in den Hafen der Hauptstadt Chios ein, luden unser reichliches Gepäck in einem Café ab und besahen uns die Stadt. Zitadelle mit Altstadt, ein paar Moscheen, eine davon Museum. Hier fand ich die ersten Reliefikonen - abgesehen von den Schätzen altgriechischer chiotischer Plastik und Keramik.


    Die Stadt hat sonst nichts besonderes - wie jede griechische Hafenstadt - grosser Kai mit den Kaffeehäusern, enge Gassen und Läden halb im Freien. Da wir baden und ausruhen wollten, fuhren wir mit dem Bus zu einem weiter weg gelegenen Strand nach Agia Fotia, wo es uns nicht besonders gefiel. So ging es bald wieder zurück zur Stadt und von da etwas nordwärts. Da wo die Stadt aufhört und die Felsen anfingen. In Vrondados gibt es ein paar Lokale und eine Quelle - die Quelle des Paschas. In der Nähe eines Lokals, nahe am Meer, fanden wir einen Schuppen mit flachem Zementdach, das wir zu unserem Schlafzimmer ernannten. Wegen des ansteigenden Geländes war das Dach auf der einen Seite fast ebenerdig. 2 Zigeuner lagerten 20 m weiter unter einem Baum, so dass wir in bester Gesellschaft waren. Wir haben uns ganz gut mit ihnen vertragen, dem Alten schenkten wir ab und an eine Drachme und dem Jungen las Maria die Briefe vor, der er von seinem Bruder aus dem Gefängnis bekam. Er selber konnte natürlich nicht lesen. 2 Tage, bzw. Nächte haben wir dort auf dem Dach unter den Platanen geschlafen, während wir tagsüber kleine Ausflüge in die nähere Umgebung machten, badeten usw. Dann setzten wir uns in den Bus und fuhren nach Emborio. Der Ort liegt ganz im Süden der Insel. Wir fuhren also quer durch die ebenfalls im Süden gelegenen Mastixwälder, d.h., es sind kleine, verkrüppelte Bäumchen und das Harz tropft wasserhell aus der Rinde. Der Boden rings herum liegt voll von erstarrten Mastixperlen, die in der Sonne glitzern.


    Die sehr schöne Photographie der Ansichtskarte erspart mir eine Beschreibung von Emborio. Ganz rechts an der Bucht seht Ihr das unvermeidliche "Kentron", ein Lokal, in dem man alles kaufen kann. Unten im Bild seht Ihr das Dach eines (unbewohnten) Hauses und links davon noch ein Stück der vorgelagerten grossen Terrasse, auf der wir 3 Nächte schliefen, 1/2 m vom Meer. Die 3 Tage in Emborio waren, glaube ich, die schönste Zeit. Morgens um 6.30 Uhr (länger liess uns die Sonne nicht schlafen) sassen wir auf unseren eingerollten Schlafsäcken und frühstückten, vor uns das Rund der Bucht und das kristallklare Wasser. Abends sassen wir mit den Fischern auf der Terrasse des Kentron und palaverten. Tagsüber erforschten wir die Küsten, badeten, fischten, ruderten in grossen Höhlen herum, besuchten die Altertümer. Mittagsschlaf unter einem Feigenbaum, dessen Früchte gerade reif waren! Hinter dem felsigen Kap (ungefähr in der Mitte des Bildes) gibt es einen sehr merkwürdigen Strand: ein sehr breiter Streifen von faust - strausseneigrossen völlig runden Steinen von satter, dunkelgrauer Farbe. Wenn sie nass wurden, sahen sie vollkommen schwarz aus. Läuft man darüber, klappert und rappelt es, dass es von den dahinter aufsteigenden Felsen nur so widerhallt. Wie wenn man in einem Kasten mit Billardkugeln herumwühlt.


    Wenn man diesen Strand weiterläuft, werden die Felsen immer steiler und höher,die Gesteinsschichten schlängeln und winden sich bis man plötzlich in ein riesiges, amphitheaterähnliches Rund hineinblickt, ein halber Vulkankrater.

    Mit dem Fischen hatte ich wenig Glück. Die Harpune war nicht in Ordnung.


    Am Nachmittag des 2. Tages war "Panigyri" in Pirgi, das 2 Stunden entfernt liegt. Wir erwischten einen zufällig daherkommenden Bus und kamen dahin. (Panigyri = Kirchweih) Das Dorf war uns schon bei der Hinfahrt aufgefallen. Es ist ziemlich gross, mit 1,5m (höchstens!) breiten Gassen, hohen Häusern, die aussen mit schwarz-weissem Putz verziert sind. Besonders die grosse Hauptkirche sah ganz drollig aus: ganz mit blauweissen Mustern überzogen, wie gehäkelt. Und dann die alten Frauen in ihren auffälligenTrachten und noch merkwürdigeren Frisuren. Wir haben ein paar photographiert, was gar nicht so einfach war, denn sie sind sehr photoscheu.

    In der Mitte der grossen Platia, dem Dorfplatz hatten sich 3 Musikanten auf einer Tribüne aufgebaut und der Tanz ging immer rund um sie herum. Denn aussenrum sassen die Menschen dicht bei dicht. Als wir dann gegen 20.00 Uhr weggingen, trafen wir in einer dunklen Gasse vor einem kleinen Kaffeehaus noch eine Kapelle: Ein grosser Dicker bliess mit Inbrunst den Dudelsack und ein kleiner Buckliger bearbeitete dazu mit nicht weniger Inbrunst eine Trommel. Eine monotone, unendliche Melodie in rasantem Tempo. Sie spielten ohne Publikum einfach so für sich.


    Und dann marschierten wir per pedes wieder nach Emborio zurück. 2 Stunden durch die warme Nacht. Sie ist uns aber nicht lang geworden.


    Schliesslich entschlossen wir uns doch, von diesem schönen Fleck wegzugehen, denn wir hatten noch viel zu sehen auf der Insel. Auf Umwegen gingen wir also wieder nach Chios und brachen von da auf zu der Nea Moni. Der Bus brachte uns am Abend noch von Chios zu einem kleinen Dörfchen names Karies hoch in den Bergen. Dort übernachteten wir zur Abwechslung mal auf der Terrasse der Polizeiwache.

    Am nächsten Morgen hiess es, die Wanderschuhe anziehen, denn zum Kloster gibts keinen Verkehr. So marschierten wir auf Ziegenpfaden über die Berge, durch Pinienwälder, immer höher bis zum Pass, dann in ein waldiges Tal hinein bis wir vor uns das Kloster liegen sahen. Umgeben von einer hohen Mauer, die einen grossen Bezirk umfasst, wie eine kleine Stadt. Die Kirchte stammt aus dem 12. Jahrhundert und ist berühmt wegen ihrer gleichzeitigen Mosaiken, die ganz grossartig sind. Wir hatten vor, im Kloster zu übernachten und am nächsten Tag weiterzuwandern. Die Äbtissin zeigte sich aber aus unerklärlichen Gründen nicht geneigt uns aufzunehmen und da es erst Mittag war, beschlossen wir, noch am selben Tag zu unserem nächsten Ziel weiterzuwandern. Nach Anavatos, das nach seiner Topographie, seiner Geschichte und seinem gegenwärtigen Zustand höchst interessant sein sollte.


    Zu Fuss 3 Stunden von der Nea Moni entfernt, einsam in den Bergen gelegen, machten wir uns auf den Weg. Nach einer Stunde erreichten wir eine Passhöhe und sahen vor uns ein weitgedehntes Bergland mit recht ansehnlichen Bergen, links das Meer. Und mitten aus den Bergwelten erhob sich aus einem engen Tal in der Ferne ein schroffer Felsklotz mit fast senkrechten Wänden: Anavatos! Wenn man genau hinsah, konnte man auf dem oberen Plateau die steingrauen Häuserwürfel erkennen, die leeren Fensterhöhlen. Noch zwei Stunden marschierten wir durch Wald und Geröll, da standen wir dem Felsen gegenüber, ein Urweltklotz von ca. 300 - 400 m Höhe, oben über schwindelndem Abgrund wie Streichholzschachteln die Stadt. Noch eine halbe Stunde später hatten wir den unteren Teil der Stadt erreicht, wo die einzigen noch bewohnten Häuser stehen. Als wir mit den letzten Sonnenstrahlen den Platz betraten, lief das ganze Dorf zusammen. Die Leuten waren furchtbar nett und freundlich - wann kommen schon mal Fremde zu ihnen.


    Wir machten einen Rundgang durch die verlassene Oberstadt unter Führung des Popen, der uns dabei die ganze blutige Geschichte der ehemals reichen und blühenden Stadt erzählte. Der ganze Ort war Stadt und Zitadelle in einem, mit mächtigen Mauern an der einzig zugänglichen Stelle des Felsens. Als 1822 die türkische Strafexpedition nach Chios kam, wurde auch Anavatos belagert, aber die Türken mussten verständlicherweise ohne Erfolg abziehen. Als ganz Chios verheert war, kehrten sie zurück, um auch den letzten Flecken zu verwüsten. Sie erwischten eine alte Frau, die ihnen unter Folterungen verriet, dass die Mauer an einer Stelle schwächer sei. - Der Pope zeigte uns die Stelle, wo dann kurz darauf die ersten Türken in die Stadt stürmten. Er führte uns in die Kirche, in die sich Frauen und Kinder geflüchtet hatten und dort abgeschlachtet wurden. Als jeder Widerstand zwecklos war, versuchten einige, sich mit einem Seil den Felsen herunterzulassen. Denen, die es wagten, wurden die Augen verbunden, damit sie nicht vom Schwindel gepackt wurden. Trotzdem stürzten die meisten ab. Der Ölbaum an der Kante des Abgrunds, an den man das Seil gebunden hatte, steht noch da.


    Am Abend war Anavatos tot. Eine handvoll Einwohner hatte sich zwar retten können - vielleicht 20 - 30 von vielen tausend. Und so ist die Oberstadt bis heute geblieben; man sieht die Spuren der Gewehrkugeln an den Häuserwänden, man kann in die Häuser hineingehen und es gehört nicht viel Phantasie dazu, dann sieht man die Janitscharen durch die Gassen toben und hört das Geschrei der Verfolgten. Und dabei ist es fast 140 Jahre her. Unten am Friedhof sahen wir am nächsten Tag das unterirdische Ossarium, wo die Schädel der Erschlagenen gesammelt sind.

    Heute leben etwa 50 Menschen am unteren Rand der alten Stadt, sorglos wohlhabend - als Universalerben sozusagen.



    Die Amtsstube des Ortsvorstehers wurde uns als willkommenes Quartier ausgewiesen, denn es war kalt und windig hier auf dem Berg. Man bereitete uns ein prächtiges Abendessen, man besorgte Matratzen und Bettzeug - natürlich alles umsonst.


    Am nächsten Tag wanderten wir zurück und erwischten in der Nähe der Nea Moni ein Taxi, das uns mit zur Stadt nahm. So konnten wir in Chios noch den Bus erreichen, der uns dann in den Norden der Insel bringen sollte. Wir übernachteten in Kardamyla auf der Freitreppe der Volksschule. Kardamyla, ein Städtchen mit 11.000 Einwohnern, wird als die reichste Stadt der Welt bezeichnet. Von hier stammen alle die grossen und mittelgrossen Reeder, die heute in der ganzen Welt bekannt sind, die Livanos, die Niarchos und wie sie alle heissen. Einer, der nur 10 Schiffe besitzt, wird hier als armer Mann angesehen. Da wir gar keins besitzen, war also für uns hier nichts zu erwarten. Wir fuhren am nächsten Tag weiter zu einer kleinen Bucht - Nagos - wo es sehr schön sein sollte. Es war auch schön, alles grün, fruchtbar, Früchte über Früchte, ein schöner Strand. Nur, das einzige Kentron schmutzig und unverschämt teuer. Ich hatte Glück und fing einen dicken, grossen Fisch, den wir uns kochen liessen. Dafür verlangten sie einen solchen Preis, dass wir Krach schlugen. Am nächsten Morgen kam die Milchfrau an unserer Schlafterrasse vorbei, der wir von der Begebenheit erzählten und liessen so nebenbei einfliessen, dass wir ein Buch über Chios schrieben und dass dieser Vorfall durchaus nicht darin verschwiegen werden sollte. 5 Minuten später gingen wir an dem Kentron vorbei, mit der Absicht, kein Wort mehr zu verlieren und weiterzugehen zu besseren Gegenden. Da stand die Wirtin, ganz klein und hässlich: "Schreibt Ihr es in der Zeitung oder in einem Buch?" wollte sie wissen. " In einem Buch". "Wollt Ihr unser Geschäft kaputt machen?" Wir liessen uns aber nicht mehr auf eine lange Diskussion ein und gingen weg. Hoffentlich hat der Schreck geholfen.


    Wir wanderten ein Stück die Küste entlang, badeten unterwegs, assen den Rest des grossen Fisches und dann kam der Bus, mit dem wir in ein kleines Dörfchen in den Bergen fuhren. Von Viki aus wollte Maria nämlich auf den höchsten Berg der Insel steigen. Hier nahm sich der Bürgermeister höchstpersönlich unserer an. Ohne unser Dazutun wurde auch hier die Geschichte mit dem Buch ruchbar (Maria führt auf ihren Reisen immer Tagebuch und schreibt in jeder freien Minute. Das hat den Bürgermeister wohl auf den Gedanken gebracht.) Der Respekt vor so was ist bei den Bauern natürlich gewaltig. Andererseits war der Gute aber auch etwas misstrauisch. Meine Person passte irgendwie nicht in seine Vorstellungen. Ebenfalls Ersi war ihm nicht geheuer, war sie nun Griechin oder Deutsche? Jedenfalls passte er gut auf, was wir alles machten. Diesem Misstrauen ist es auch vielleicht zu verdanken, dass er uns in seinem Haus - allerdings auf das Üppigste - bewirtete. Dass wir das angebotene Quartier ausschlugen und mit der Terrasse der Schule vorliebnahmen, war ihm natürlich wieder ungeheuer verdächtig. Wenn er uns schliesslich ziehen liess, so wohl "aus Mangel an Beweisen", nicht wegen "erwiesener Unschuld". Uns hat das alles viel Spass gemacht. Wir haben, während Maria mit Rhea auf den Berg kletterten, die verschiedenen kleinen Kirchen mit den ausgezeichneten Fresken besucht. Gegen Mittag kamen die beiden zurück und es ging gleich weiter. Unser Ziel war Hagio Galas, ein Flecken im äussersten Nordwesten der Insel, dort sollte es einige interessante Kirchen geben. Da wir nicht wieder mit dem Bus zur Stadt und von dort wieder mit dem Bus nach Hagio Galas fahren wollten, nahmen wir ein Maultier und wanderten 4 Stunden buchstäblich über Berg und Tal, bis wir ein Dorf erreichten, von wo aus ein Bus nach Hagio Galas fahren sollte. Man hatte uns gesagt, dass die Leute dort in H.G. unfreundlich seien, das Dorf hässlich und schmutzig. So gingen wir eigentlich ohne rechte Begeisterung. Als wir den Bus erreichten, erfuhren wir noch zu allem Überfluss, das Panigyri im Dorf sei, das bedeutet, alles voller Menschen aus den Nachbardörfern. Spät im Dunkeln kamen wir an. Gleich ausserhalb des Dorfes noch fanden wir einen Schuppen mit flachem Dach, wo wir unser Nachtlager aufschlugen. Maria und Ersi gingen ins Dorf, ich blieb mit Rhea, die sich nicht wohl fühlte,
    "auf dem Dach“.


    Nach einer halben Stunde kamen die beiden wieder zurück "Das schönste Dorf von ganz Chios!!! Die Leute nett!!! Freundlich!!!... " Und das haben wir am nächsten Tag dann auch erfahren. Es ist ein richtiges Hirtendorf, mit Häusern ganz aus unbehauenen Bruchsteinen, eng und winkelig. Ersi und ich gingen in das einzige Kafenion um einen Kaffee zu trinken. Drinnen sass die Kapelle und war schon fleissig zu gange - seit 4 Uhr morgens. Diese griechischen Musikanten sind eine Sorte für sich. Fast immer sehr begabt, auch im Trinken und Essen, aber auch im Fasten. Sie spielen nicht, weil sie dazu beauftragt sind, sondern aus Begeisterung - daher auch seit 4 Uhr morgens. Dabei sind sie bettelarm, aber gutmütig und offenherzig und grosszügig. Wir hatten uns bald mit ihnen angefreundet und die Ouzoflasche kreiste fleissig.


    Das eigentliche Panigyri begann am späten Nachmittag. Aber ich hätte beinahe vergessen, die grossartige Bewirtung zu erwähnen, die das Dorf den auswärtigen Besuchern bot: eine riesige Mittagstafel für alle - ohne Bezahlung. Und was es alles gab! Wir konnten nicht alles aufessen. Jedenfalls haben wir uns in einem Dorf selten so wohl gefühlt wie hier. Nachmittags begann dann der Tanz. In einer Ecke der Platia hatte man eine gedeckte Laube gebaut und darunter sass alles: Musikanten, Tänzer (es tanzten nie mehr als 6 -8 Leute) und ringsherum die Zuschauer. Es war so nett gemütlich wie im Familienkreis. Es wurde geschmaust und getrunken, Bekanntschaften wurden geschlossen. Es war mit Abstand das schönste Panigyri, das wir mitgemacht haben.


    Am anderen Morgen um 5.00 Uhr fuhr unser Bus nach Chios-Stadt. Unter anderem waren auch die Musiker da - verschlafen, vielmehr übernächtigt, frierend - sie hatten pro Mann umgerechnet 8,--DM verdient.


    Nach 6-stündiger Fahrt quer durch die Insel kamen wir in der Chios an und abends um 19.00 Uhr fuhr unser Schiff nach Athen. Wir badeten noch einmal etwas ausserhalb, erfrischten uns mit Joghurt und Eis und als das Schiff einlief, sahen wir schon Apostolos an der Reeling stehen. Er hatte auch schöne Tage auf Lesbos verbracht. Und am anderen Morgen waren wir dann zu Hause.


    Wir werden noch einige Tage in Athen bleiben. Dann führen uns unsere Wege in den Pilion, nach Saloniki und von dort werden wir nach Istanbul aufbrechen.


    Ich finde dass dieser Bericht ein Griechenland widerspiegelt, das es heute in dieser Weise nicht mehr gibt und auch nie mehr wieder geben wird. Umso mehr beneide ich natürlich diejenigen - unter anderem Paul - die dies alles erleben durften. Dankbar bin ich aber auch dafür, diese Informationen aus erster Hand zu bekommen

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  2. #2
    martha Gast

    Standard AW: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

    Hallo Christa,
    aber sicher interessiert dein Bericht, deine Geschichte.
    Schön auch die alten Bilder. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung..
    Vielen Dank

  3. #3
    Avatar von Inke
    Inke ist offline πάρτε με πάρτε με στην Κρήτη
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    Standard AW: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

    Hallo Christa,
    ein sehr schöner Bericht.

    "Ich finde dass dieser Bericht ein Griechenland widerspiegelt, das es heute in dieser Weise nicht mehr gibt und auch nie mehr wieder geben wird".

    Genau so empfinde ich das auch.

    LG
    Inke


    Lasst uns immer in den großen Traum des Lebens
    kleine bunte Träume weben

  4. #4
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    Standard AW: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

    Hallo Christa,

    schön, dass Du (Ihr) wieder ein paar Erinnerungen auskramst und uns teilhaben lässt. Ich finde es sehr interessant - danke schön :smiley5:
    LG Monika
    Gib' jedem Tag die Chance, der schönste Deines Lebens zu werden! (Mark Twain)

  5. #5
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    732

    Standard AW: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

    Liebe Christa,

    ....herzlichen Dank für die interessante Geschichte und die alten Fotos.
    Sehr schön geschrieben.....
    Viele Grüße von
    Britta

    Kreta, meine zweite "Heimat".

  6. #6
    gitti Gast

    Standard AW: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

    Hallo Christa,

    Chios war - 1992 - unsere erste Insel und wir haben sie sehr oft bereist. Wir kennen alle von Dir genannten Orte, so liest sich Dein Bericht noch interessanter. Eine wunderschöne Insel mit wenig Tourismus. Zuletzt waren wir 2006 dort und haben festgestellt, dass sich in den vielen Jahren gar nicht soo viel verändert hat. Irgendwann hat uns dann auch der Kretavirus erwischt....
    (schöne alte Fotos)
    liebe Grüße gitti

  7. #7
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    Hamburg & Drapanos-Halbinsel (Apokorónas)
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    Standard AW: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

    Die Insel Chios

    Von Klaus Bötig | 21.September 2015

    http://www.klaus-boetig.de/die-insel-chios/#more-2647

    Chios, duftende Insel der Tränen

    Fernab vom Tourismus betört die griechische Insel Chios mit einsamen Buchten, gepflegten Zitrusgärten und dem süßen Harz der Mastix-Bäume.

    http://www.kleinezeitung.at/s/lebens...el-der-Traenen

    vg, kv

  8. #8
    Registriert seit
    27.November.2005
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    230

    Standard AW: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

    Hallo Christa,

    vielen lieben Dank für deinen Beitrag. Ich bin mitgereist und mitgewandert, dank einer wunderbaren, humorvollen Erzählweise.

    Auch ich freue mich auf die Fortsetzung.

    Liebe Grüsse
    Lydia

  9. #9
    Registriert seit
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    Standard AW: CHIOS 1961 - ein Tagebuch

    Zitat Zitat von Lydia Beitrag anzeigen
    Hallo Christa,
    .....
    Auch ich freue mich auf die Fortsetzung.

    Liebe Grüsse
    Lydia
    Wird es wohl leider nicht geben....Der Bericht ist von 2011!
    Gruß Michael

    Zum Arbeiten zu alt, zum Sterben zu jung...
    aber für Kreta topfit!



    Αν σε κλωτσήσει ένας γάιδαρος, δεν έχει νόημα να τον κλωτσήσεις κι εσύ.

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