Ich setze mich in kretischen Bussen meist relativ weit vorne hin. Da sitzen auch die Kreter, gleich hinter dem Busfahrer. Ein prächtiger Platz um der kleinen Konversation zu lauschen, Begrüßungszeremonien und Ähnliches mitzuerleben, soweit dies meine kärglichen Griechisch-Kenntnisse eben zulassen.
Meist ist ja das Wetter an der Südküste ein kleines bisschen besser. Dieses Mal aber ging die Fahrt vom sonnigen Chania erst mal in die Wolkenberge und der Wind von Süden wurde kräftiger.
In Paleochora gab´s aber bei der Ankunft doch noch etwas Sonne und eine letzte helle Abendstunde für ein Bad im Meer. An der windabgewandten Seite. Der Wind war dann auch das bestimmende Thema, warmer Südwind. Viele Tavernen hatten schon abgebaut, die wenigen noch offenen haben sich winddicht eingepackt. Es war eine ungewohnte Atmosphäre, besonders am östlichen Kiesstrand. Die Anlegestelle für die Fähre war zum großen Teil überspült. Prächtige Wellen mit viel weißer Gischt. Mächtig und wild.
Das Mittelmeer in Atlantiklaune.
Nachts gab´s für mich das erste Gewitter dieser Woche mit kräftigen Regengüssen. Mein "Vernunft-Ich" konnte sich ein "Siehste, ich hab´s dir ja gesagt!" nicht verkneifen. Aber trotz des Gepolters und Geblitze schlief ich bestimmt 10 Stunden durch. Was eine durchwachte Nacht so bewirkt.
Die ursprüngliche Idee, die Fähre nach Soughia zu nehmen glich angesichts der Wellen einer geplatzten Seifenblase. Also doch noch mal die Etappe vom letzten Jahr bis Soughia laufen. Aber es ist ja trotzdem nie das Gleiche.
Dieses Mal litt ich auch keinerlei Wassermangel. Es gab regelmäßige erfrischende Schauer von oben, mal kräftig - bei geöffnetem Mund fast zum Trinken genug - dann wieder wie bei einem Wasserzerstäuber (heißen die Dinger so?) - Bestimmt gut für die "reife" Haut.
Genau! - Ich traf fast niemand auf der Strecke. Auch keine Autos mehr auf dem ersten Schotterpistenabschnitt. - Fast, bis auf eines und dies fuhr dann doch tatsächlich mehrmals an mir vorbei. Hielt an und sein Fahrer lud mich ein mitzukommen.
„ WIIEE?- Was soll das denn?!“
Da dachte ich doch dieses "Thema" läge hinter mir. Aber das war schnell geklärt und mit Beginn des eigentlichen Wanderweges gab´s auch keine Möglichkeiten mehr zufällig vorbeizufahren.
Ich entdeckte den Schlafplatz vom letzten Jahr mit den Mandalas, stattete dem Tempel in Lissos brav einen Besuch ab und traf ab diesem Streckenabschnitt wieder viele Leute, Familien mit Kindern. Baden ging ja bei dem Seegang nicht so gut.
In Soughia war noch relativ viel los, aber auch hier hatten die Tavernen zur Meerseite schon einen Windschutz.
Eine herbstliche Stimmung lag auch hier über dem Ort und fast schlich sich ein wenig Wehmut ein. Den Sommer loslassen zu müssen, mit seiner Leichtigkeit.