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11.November.2010, 22:20
#27
AW: Kreta-Fluchten
Ich saß mal wieder im Bus – Richtung Rethimnon, wie gehabt.
Meine penetrante Stimme im Hinterkopf fragte zwar provokativ: „Bist du etwa rastlos?“,… „Wovor rennst du denn davon, sag?!“ Sie wurde gleich in ihre Schranken verwiesen und weggesperrt.
„Ich fahr halt gerne Bus!“
An diesem Morgen fiel es mir richtig schwer, zu entscheiden wo es denn als nächstes hingehen sollte.
Ursprünglich wollte ich ja nach dem Psiloritis und Agia Galini an der Küste entlang Richtung Agios Pavlos, dann weiter über Preveli nach Plakias wandern.
Aber ich war so unentschieden. So ganz versteckt spürte ich eine Sehnsucht nach Loutro – mal wieder, wie jedes Mal.
Aber die ganze Strecke zurück Richtung Sfakia?
Aber genau so kam´s.
Ich genoss die schöne Fahrt. Zwischendurch zeigte sich der Psiloritis sogar ohne Wolkenhülle. Blitzte mich an und lockte geradezu. - “ In Spili aussteigen und es noch einmal probieren?“ fragte ich mich.
Mein „Besserwisser“ war jedoch rigoros: „Nein, übe dich in Demut“. „Nächstes Mal!“
Das war ja richtig so, aber etwas wehmütig machte es mich schon. -
In Bussen läuft oft Musik. Meist Radio. Das macht Spaß. Sogar die Werbung gefällt mir, da versuche ich dann möglichst viel zu verstehen.
Heute kam jedoch etwas völlig Unerwartetes.
Es gibt Musikstücke, die gehen ohne dass man es gleich merkt und noch irgendwie kontrollieren könnte so ganz direkt ins Herz. Und dann natürlich auf direktem Weg zu den Tränendrüsen.
So war´s dann auch. Es war ein so schönes Stück. Zum Weinen schön und gleichzeitig so tröstlich.
Es wäre zu schön gewesen, zu wissen was das war.
Aber den Busfahrer danach fragen? Er hätte mich wohl für ziemlich durchgeknallt gehalten. Erst blicken sie nicht wo sie aussteigen müssen, die Touris, dann sowas.
Aber solche Momente kann man eh´ nicht festhalten.
In Rethimnon hatte ich wieder Aufenthalt. Fast schon wie in „Täglich grüßt das Murmeltier“ – nur dass ich diesmal Bücher kaufen konnte.Keine Gewichtsbeschränkungen mehr)
Ein kurzer Stopp in Vrisses, lang genug für Joghurt mit Honig. Und weiter gings über die Askifou-Ebene runter nach Sfakia.
Es war sonnig und warm und das Meer glitzerte verheisungsvoll.
Beschwingt lief ich los. Kurz hab ich daran gedacht, bei den “ Three Brothers“ und Bettina vorbei zu schauen. Aber sie unbekannterweise einfach so überfallen, ganz ohne Voranmeldung, wollte ich dann doch nicht.
Am Glykanera Strand nahm ich ein köstliches Bad im Meer. Die Wellen hatten sich gelegt. An diesem Tag fuhren wohl erstmals auch wieder die Fähren.
Die Strandtaverne war bereits geschlossen und die Liegen und Sonnenschirme abgebaut.
Der Sommer war vorbei.
In Loutro anzukommen ist für mich immer wieder ein beglückender Moment. Kurz vor Erreichen des Dorfes musste ich auch erst mal stehen bleiben und inne halten.
Ich war angekommen.
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